Samstag, 12. Oktober 2019
Während unseres "typisch griechischen" Frühstücks haben wir uns überlegt, noch einmal nach Samos Stadt zu fahren, Nikola brauchte noch ein paar Mitbringsel.
Jimnys Verdeck runter und dann ab durch die Sonne.
Nach den Besorgungen wollte ich dann doch etwas genauer wissen, wieso ein Boot der deutschen Küstenwache in Samos im Hafen liegt.
Zunächst sah das Boot unbemannt aus, aber nach einer Weile ließen sich zwei Männer in Polizeikleidung an Bord blicken. Ich habe sie einfach angesprochen, woraus sich ein sehr nettes Gespräch entwickelte, in dessen Verlauf uns einer der Polizisten erklärte, was sie hier tun. Sie sind im Rahmen der "Europäischen Grenz- und Küstenwache, Frontex" nach Griechenland abgeordnet und helfen, die Grenze zur Türkei zu sichern, was mehr schlecht als recht gelingt. Auch dieser Polizist bestätigte, dass täglich neue Flüchtlinge aus Afrika über die Türkei kommen, die zwischen 600 und 1000 Euro an Schleuserbanden bezahlen, damit sie griechischen Boden erreichen. Ich frage mich, woher die "armen Menschen", denen es zu Hause so schlecht geht, soviel Geld haben! Er wusste auch zu berichten, dass die im Elend des Camps lebenden sich selbst beim Geldabheben fotografieren und diese Bilder dann in die Heimat schicken, quasi mit der Botschaft "Guck, hier kann man das Geld aus der Wand holen und muss nicht mal was dafür tun". Kein Wunder, dass alle nach Europa wollen... 😡
Auf den Weg zum Parkplatz haben wir noch zwei Snacks gekauft. Als ich wissen wollte, was da drauf ist, sagte die Dame hinter der Theke ein Wort, das sich irgendwie nach "Schinken" anhörte. Wir konnten es nicht verstehen, haben dann aber geschlussfolgert, dass sie wohl "chicken" meinen musste und dass man das hier vermutlich "tzikken" (mit leichtem Anflug von britischem "th") schreibt. ☺
Unser weiterer Weg führte uns wieder nach Pithagorio, genauer zu dem Tunnel des Eupalinos.
Dieses faszinierende Bauwerk ist vor 2600 Jahren gegraben worden, um die Stadt Samos (so hieß Pithagorio damals, die heutige Stadt Samos gab es in der Form noch nicht) mit Wasser versorgen zu können. Es ist unglaublich, dass die Menschen vor so langer Zeit eine solche Meisterleistung vollbringen konnten. Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen während der geschätzt 10jährigen Bauzeit ihr Leben verloren haben. Wir haben einen begleiteten Gang durch die ersten 485m des Tunnels gemacht. Führung wäre zuviel gesagt, weil der Guide Erklärungen nur auf Nachfrage gab und auch längst nicht alles wusste. Es war aber trotzdem hoch eindrucksvoll und hat sich auf jeden Fall, auch wenn es mit 16€ nicht ganz billig war, gelohnt. Die Sicherheitshelme waren übrigens mehr als nötig. Einen Großteil der Strecke musste man gebückt gehen und ich weiß nicht, wie oft ich mit dem Helm an der Decke angestoßen bin. Teilweise sehr zur Belustigung meiner mich liebenden Frau. Har.
Auf dem Rückweg von Pithagorio haben wir zwei Fotostopps eingelegt. Einmal bei einem der vermutlich ältesten Autowracks, die hier zu hunderten einfach so in der Landschaft an den unmöglichsten Stellen abgestellt werden und dann an der Stelle, an der es Ende August wohl am heftigsten gebrannt haben muss.
Nach der Ankunft im Hotel haben wir die Sachen im Zimmer verstaut, uns die Badeschuhe geschnappt und sind zum Strand gegangen. Dort lässt es sich Nikola zur Stunde immer noch gut gehen, während ich mich bei einem griechischen Bier an die Strandbar zum Blogschreiben zurückgezogen habe.
Apropos Strand ... hier kann man sehr gut sehen, wie weit es bis zu dem Land ist, das ich sehr gerne einmal sehen würde, in das ich aber niemals einen Fuß setzen werde, solange dort keine echte Demokratie Einzug gehalten hat.



















Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen