Freitag, 11. Oktober 2019

Bis dass der Kühler kocht

Freitag, 11.10.2019

10 Uhr. Das war die verabredete Uhrzeit, um den Dacia gegen den Suzuki Jimny zu tauschen. Zur Erinnerung: Mein Schatz fand es eine super Idee, einen Jeep zu mieten, also etwas, das man zu Hause nicht so unbedingt fährt. War auch eine super Idee! Doch dazu gleich mehr. 10 Uhr also. Ich habe den Wecker auf 8:30 Uhr gestellt, damit wir vorher in Ruhe frühstücken können. Ich hatte noch nicht einmal die Zähne geputzt, da klingelte schon das Telefon. "Your car exchange!" Komisch. Griechen, die zu früh sind, viel zu früh! Das gibt's eigentlich nicht... Naja, ich bin also in Windeseile runter und habe die Autoschlüssel getauscht. Herrje, der Jimny ist schon auf den ersten Blick ein ganz anderes, urälteres Kaliber als der recht moderne Dacia. Hmmmm.... Egal, Nikola wird sich freuen.


Nach dem Frühstück haben wir noch ein paar Dinge eingepackt und uns in den Jimny gesetzt, das Verdeck aufgefaltet und auf den Gartenstühlen Platz genommen. Beim ersten Versuch, die Kupplung zu treten, dachte ich, sie sei kaputt. Nur mit roher Gewalt meines linken Beines war es möglich, das Pedal zu bewegen. Der Schaltknüppel gleicht eher einem Rührbesen, definierte Gänge gibt es nicht, nur Try&Error Schaltpositionen. Egal, Hauptsache Jeep... Nach den ersten Metern auf Samos' renovierungsbedürftigen Straßen offenbarte der Jimny dann sein ganzes musikalisches Potential. Es schepperte und krachte, es zischte und plinkte an allen Ecken und Kanten. Bei kleineren Schlaglöchern hatte man das Gefühl, es gibt überhaupt keine Stoßdämpfer und die Karre fliegt einem direkt um die Ohren. Aber das Auto macht Spaß. Ein richtiges Spaßauto für den Urlaub. Neu und leise kann ja jeder!


Kommen wir zu den Highlights des heutigen Tages.

Vorbei an Samos Stadt führte uns der erste Weg in den Norden nach Kokkari, das uns als Fischerdorf vorgestellt wurde. Wir haben den Wagen am Ende des Dorfes geparkt und sind die anscheinend einzige größere Straße des Weges zurück gelaufen, um in einer der wenigen noch geöffneten Strandbars einzukehren und einen Kaffee zu trinken. Dabei saßen wir mit dem Blick auf das Meer, die Strandbar im Rücken und konnten eine Gruppe Taucher beobachten, die sich auf einen Tauchgang vorbereiteten. Ansonsten war himmlische Ruhe. Weit und breit kaum noch ein Tourist. Das ist im Sommer - wie hunderte Liegen und Schirme vermuten lassen - ganz sicher anders. So ist Kokkari für uns dem Anschein nach auch weniger Fischerdorf als vielmehr ein gut erschlossene Touristenort. Nach dem sehr leckeren Kaffee zu deutschen Preisen (3,30€) hat Nikola sich in einem kleinen Store mit Zigaretten eingedeckt. 39,70€ sollten bezahlt werden. Als der ältere Herr an der Kasse den 50er entgegengenommen hatte, meinte er auf englisch, wir sollen ihm noch 30 Cent geben, dann gäbe es 10 Euro zurück. Ähhh... ja... nein!





Wir haben uns anschließend einen direkt an der Straße gelegenen, kleinen griechischen Friedhof angesehen. Auf sehr persönliche Weise wird hier der Toten gedacht, mit kleinen Gaben und teilweise einem Bild hinter Glas. Das ist sehr viel inniger und emotional dichter als die Gräber bei uns.


Unser nächstes Ziel war Vourliotes, ein kleines Bergdorf nur wenige Kilometer westlich von Kokkari. Die Fahrt ging über Serpentinen mit Haarnadelkurven steil den Berg hinauf, die Steigungen mussten teilweise im ersten Gang gefahren werden. Google wollte uns an einer Kreuzung rechts abbiegen lassen, auf einem kleinen Schild stand aber "Vourliotes links". Wir hätten auf Google hören sollen, denn so mussten wir weitere 2,5km Serpentinen fahren und sind auf der eigentlich falschen Seite des Dorfes gelandet, von der aus man mit dem Auto nicht in die andere Seite fahren kann. Wir haben uns von hier aus zu Fuß auf den Weg gemacht und das Dörfchen erkundet. Nach einer ganzen Weile wollten wir umkehren in Richtung Auto, als wir völlig unverhofft plötzlich auf einem malerischen Dorfplatz mit einem ebenso malerischen Restaurant unter einer dicht bewachsenen Überdachung standen. "Hier essen wir zu Mittag!" Gedacht, getan. Das Essen war dann ebenso lecker, wie das Ambiente schön war im Restaurant "Blue Chairs". Das kann man bedenkenlos weiterempfehlen.






Manolates ist ein malerische Bergdorf, nur 2km Luftlinie von Vourliotes entfernt. Aber mit dem Auto dauert's dann doch fast 40 Minuten. Zunächst mussten wir die Serpentinen wieder herunterfahren, um dann gleich wieder den Aufstieg nach Manolates zu beginnen. Die Steigungen waren so stark, dass der Jimny, oben angekommen, ganz merkwürdige Geräusche von sich gab. Bei offener Motorhaube konnte man das Kühlwasser im Überlaufbehälter brodeln sehen - es kochte!


Nach einer kurzen Fototour durch die Gässchen haben wir uns zum Abschluß in einer kleinen gemütlichen Taverne einen Frappé und eine Kaffee genehmigt und sind dann mit dem mittlerweile wieder abgekühlten Jimny nach Hause ins Hotel gefahren.








Da die Sonne noch nicht untergegangen war, ist Nikola an den nahen Strand gegangen und ich habe mich an der Strandbar ans Blogschreiben gemacht. Man sitzt hier wirklich gemütlich, wenn nur nicht die Millionen aggressiver winziger Fliegen wären... . Die Dame hinter der Bar erklärte mir, dass das auf Samos ganz typisch ist, sobald sich das Wetter ändert. Unzählige "Flys and Moskitos".

Letzter Satz für heute: Der Dacia war ein tolles Auto! Der Jimny ist technisch gesehen eine Schrottkiste. Aber er macht definitiv mehr Spaß... 🤗

1 Kommentar: